Stam­men die Rothenpielers/​Rothenbühlers von einem Rit­ter­ge­schlecht ab?

Vor­ab: Ich habe Zwei­fel an der Rich­tig­keit, dass die ROTHENPIELERS/​ROTHENBÜHLERS von einem Rit­ter­ge­schlecht abstam­men sol­len. Wie es über­haupt zu die­ser Behaup­tung einer Abstam­mung aus dem Rit­tera­del kam und was sich dahin­ter ver­ber­gen könn­te, schrei­be ich in die­sem Bei­trag.

Wäh­rend mei­ner For­schung über die Nach­kom­men des eins­ti­gen Johan­nes ROTHENPIELER ler­ne ich immer wie­der noch heu­te leben­de Nach­kom­men mit ihren inter­es­san­ten Lebens­as­pek­ten ken­nen. So mel­de­te sich vor ein ca. einen Monat der Dr. Mar­kus Krae­mer aus Essen bei mir und erst vor ca. einer Woche eben­falls Claus Rothen­pie­ler, aus Süd­ita­li­en, wo er dort eine Tau­cher­schu­le lei­tet. Beson­ders letzt­ge­nann­ter fer­ner Ahnen­ver­wand­te brach­te eine (angeb­li­che) Her­kunft zu einem Rit­ter­ge­schlecht „von Rothen­bühl“ ins Spiel.

Nun bin ich ja Ahnen­for­scher und lie­be immer neue Ent­de­ckung aus dem Kreis der frü­he­ren Vor­fah­ren. Ander­seits weiß ich aber auch, dass es immer wie­der Fami­li­en­le­gen­den gibt, die von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on her­um­schwir­ren und sich dann als falsch erwei­sen. Inso­fern gehe ich die Sache mit einer Por­ti­on Skep­sis an bzw. ich muss sie sogar zu einem gewis­sen Grad skep­tisch betrach­ten, um die gründ­li­che For­schung einer Ahnen­for­scher zu wah­ren und die Wahr­heits­ge­halt nach nach­weis­ba­ren Quel­len bewer­ten.

Claus ROTHENPIELER erzähl­te mir, dass die ROTHEN­PIE­LERs ihre Abstam­mung aus der Schweiz haben. Das ist rich­tig und unter eini­gen, ande­ren der vie­len ROTHEN­PIE­LERs in Witt­gen­stein und dem Sie­ger­land durch­aus schon bekannt. Er füg­te außer­dem an, dass die Her­kunft aus einen Rit­ter­ge­schlecht „von Rothen­bühl“ zurück­zu­füh­ren sei. Die­se Infor­ma­ti­on war mir jedoch völ­lig neu. Ich hat­te schon eini­ge ande­re, frü­he­re Nach­for­schung zur Her­kunft der ROTHEN­PIE­LERs gemacht, aber nie kam eine mög­li­che Her­kunft eines Rit­ter­ge­schlechts ins Spiel – sowohl die Zeit vor der Aus­wan­de­rung von Johan­nes ROTHENPIELER aus der Schweiz, als auch die Zeit sei­ner Vor­fah­ren in der Schweiz.

Ich muss natür­lich zuge­ben, dass man über die Vor­fah­ren von Johan­nes ROTHENPIELER außer den Lebens­da­ten ihrer­seits und des­sen Kin­dern nicht viel weiß. Das ist auch selbst­ver­ständ­lich, dass ich die­ser Zeit so gut wie kei­ne Bele­ge mehr vor­han­den sind – außer den Kir­chen­buch­ein­tra­gun­gen über die Geburt/​Taufe, der Ehe­schlie­ßung und dem Tod/​Begräbnis. Man sagt zwar, dass Johan­nes ROTHENPIELER ein Cal­vi­nist sein und des­halb sei­ner schwei­ze­ri­sche Hei­mat wäh­rend der Zeit des Dreiß­zig­jäh­ri­gen Kriegs auf­grund sei­nes Glau­bens durch Repres­sa­li­en ver­ließ. Bestä­ti­gen kann ich es nichts, aller­dings wäre die­se Begrün­dung der Aus­wan­de­rung Johan­nes ROTHENPIELER aber nach­voll­zieh­bar, da in die­ser Zeit die christ­li­che, refor­ma­to­ri­sche Bewe­gung durch Huld­rych ZWINGLI und Jean CALVIN voll­ends im Gan­ge war. Ein Cal­vi­nist war jemand gewe­sen, der ins­be­son­de­re den Glau­bens­in­hal­ten von Jean CALVIN folg­te.

Aber auch die Zeit nach der Aus­wan­de­rung von Johan­nes ROTHENPIELER hal­te ich eine mög­li­che Her­kunft aus einem Rit­ter­ge­schlecht für aus­ge­schlos­sen. Denk­bar wäre gewe­sen, dass Johan­nes ROTHENPIELER durch­aus in den Stand des Rit­tera­del erho­ben wer­den konn­te, dies wäre aber irgend­wo doku­men­ta­risch belegt. Außer­dem wäre sein Berufs­bild Rit­ter gewe­sen. Jedoch war er zu Beginn sei­ner Zeit in Witt­gen­stein zunächst ein Jagd­jun­ge gewe­sen, d. h. jemand, der sich in der Aus­bil­dung eines Jäger befin­det und die ande­ren Jäger assis­tier­te. Spä­ter wur­de der dann Jäger, Förs­ter und sogar gräf­li­cher Tier­gärn­ter. Aber kei­ne Spur von Rit­ter­schaft in beruf­li­chen Lebens­lauf. Auf bei sei­nen Kin­dern aus sei­nen bei­den Ehen ist bis­her zu fin­den.

Claus ROTHENPIELER erzähl­te ich, dass er die­se Infor­ma­tio­nen selbst wie­der­um von einem ande­ren Bekann­ten – bes­ser gesagt: Ver­wand­ten – mit dem Namen Rudolf ROTHENPIELER. Die­ser hät­te ich den acht­zi­ger Jah­ren eben­falls Ahnen­for­schung betrie­ben, lei­te­te in Sie­gen eine Fir­ma für Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung und wan­der­te ab 1998 oder spä­ter nach Irland aus. (Ich glau­be, die ROTHEN­PIE­LERs mögen es, zu wan­dern und in ande­re Län­der zu woh­nen.) Sein Sohn Till ROTHENPIELER hät­te die Fir­ma dann über­nom­men. Lei­der fin­den sich heu­te kei­ne rele­van­ten Infor­ma­tio­nen mehr durch eine Suche im Inter­net. Ich den­ke, dass der Infor­ma­ti­ons­stand noch aus der Zeit von ca. 1998 ist. Infol­ge der nächs­ten 20 Jah­re bis heu­te hat­te sich eini­ges geän­dert und es unter Umstän­den kei­ne schnell auf­find­ba­ren Spu­ren mehr vor­han­den sich.

Doch wie kam Rudolf ROTHENPIELER zu der angeb­li­chen Herkunft/​Abstammung eines Rit­ter­ge­schlecht „von Rothen­bühl“? Ich den­ke, er hat eine fal­sche Asso­zia­ti­on zur der so genann­ten Burg Rothen­bühl gemacht, in der damals in der Tat Rit­ter leb­ten. Ja, es gab eine Burg Rothen­bühl. Die­se ist seit dem Ende des 16. Jahr­hun­dert nicht mehr exis­tent, auch ist kei­ne Rui­ne mehr vor­han­den. Die­se Burg befand bei heu­ti­gen Orts­teil Wei­ler Rothen­bühl der Stadt Eber­mann­stadt im Land­kreis Forch­heim in Bay­ern. Zudem ist auch das Rit­ter­ge­schlecht zu die­ser Burg aus­ge­stor­ben. Ich ver­wei­se hier auf die Tabu­la XIII. Von denen Her­ren v. Auffseß in erlo­sche­ner Linie zu Wüs­ten­stein und Rothen­bühl des Werks „Geschlechts-Regis­ter Der Reichs-Frey unmit­tel­ba­ren Rit­ter­schafft Lan­des zu Francken Löb­li­chen Orts-Gebürg: Wel­ches Aus denen bewähr­tes­ten Urkun­den, Kauf- Lehen- und Heyraths-Brie­fen, gesamm­le­ten Grab­schriff­ten Und Ein­ge­hol­ten genau­en Nach­rich­ten von innen beschrie­be­nen Gräf­lich-Frey­herr­lich- und Edlen-Häu­sern In gegen­wär­ti­ge Ord­nung ver­fas­set und rich­tig zusam­men getra­gen wor­den“, um 1747 von Georg Andre­as Gert­ner ver­fasst.

Mei­ne Ver­mu­tung geht dahin, dass Rudolf ROTHENPIELER ein Feh­ler bei sei­ner genea­lo­gi­schen Recher­che unter­lau­fen ist und eine Ver­bin­dung mit den Rit­ter zur Burg Rothen­bühl auf­brach­te, wo es eini­ge kei­ne gibt. Nur der Name „Rothen­bühl“ ist gleich. Sonst nichts. Weder regio­nal, noch genea­lo­gisch. Das wäre zwar schön gewe­sen, eine rang­ho­he, mit­tel­al­ter­li­che Her­kunft zu haben, man muss aber auf dem Boden der Tat­sa­chen ste­hen kön­nen.

Veröffentlicht von

Michael Johne

Als Rothenpieler-Nachfahre und Genealoge erforsche ich die Nachkommenschaft des Schweizers Johannes Rothenpieler.

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